Kirsten Neycken-Bartholemy / PDG

Einführung einer Aufnahmeprüfung an den Medizinfakultäten im französischen Sprachgebiet


Ausschuss III vom 10.11.2016

Mündliche Frage von Kirsten Neycken-Bartholemy an Minister Mollers zur Einführung einer Aufnahmeprüfung an den Medizinfakultäten im französischen Sprachgebiet

Wie aus der Presse hervorging, soll es künftig im französischsprachigen Landesteil eine Zulassungsprüfung zum Medizinstudium geben.
Angesichts dieser Entwicklung besteht durchaus die Gefahr, dass sich der Ärztemangel gerade in der DG künftig verstärken kann.

Schließlich stellt die Einführung einer solchen Prüfung zahlreiche angehende Studenten aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft vor die Schwierigkeit, diese in französischer Sprache ablegen zu müssen. Die Mehrsprachigkeit wird in der DG zwar intensiv gefördert, doch kann eine solche Prüfung, die nicht in der Muttersprache abgelegt werden muss, zu Verständnisschwierigkeiten und somit zu Nachteilen bei der Vergabe von Studienplätzen im Studienfach Medizin führen.

Wir haben diese Thematik bereits in einer der vergangenen Kontrollsitzungen behandelt. Aufgrund der neuen Entwicklungen bitte ich jedoch um Antwort auf folgende Frage:
Welche Maßnahmen gedenkt die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu ergreifen, um Nachteilen für deutschsprachige Abiturienten bei der Zulassungsprüfung entgegenzuwirken?

Antwort des Ministers Mollers

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
Werte Kolleginnen und Kollegen,

ich teile die Einschätzung von Kollegin Neycken-Bartholemy.

Zum einen ist es ein großes Problem, wenn deutschsprachige Studenten aufgrund ihrer Muttersprache bei einem solchen Zugangstest in der Französischen Gemeinschaft benachteiligt würden.

Zum zweiten fürchten wir, dass dadurch der bereits bestehende Mangel an deutschsprachigen Ärzten in unseren Krankenhäusern und bei den Allgemeinmedizinern langfristig noch verschärft würde.

Mein Ministerkollege Antonios Antoniadis und ich selbst haben deshalb bereits Mitte September unserer Sorgen in einem Schreiben an den Hochschulminister der Französischen Gemeinschaft, Jean-Claude Marcourt, Ausdruck verliehen.

Unser damaliges Schreiben ist bislang unbeantwortet geblieben, so dass wir mit Datum vom 28. Oktober ein zweites Schreiben an Minister Marcourt gerichtet haben, in dem wir erneut darum bitten, gemeinsam eine Lösung für die besondere Situation der deutschsprachigen Studenten zu suchen.
Aus unserer Sicht wäre es wichtig, künftigen Medizinstudenten aus der DG rasch ein positives Signal in dieser Sache geben zu können, da ansonsten die Gefahr besteht, dass relativ schnell die Zahl deutschsprachiger Medizinstudenten an frankophonen Universitäten einbricht.

Das Vorhaben einer Zugangsprüfung wurde bislang noch nicht in einem Dekret verankert.

Der Staatsrat wird also dazu auch noch Stellung beziehen müssen.

Ich erlaube mir den Hinweis, dass eine solche Zugangsprüfung zum Studium noch aus einem anderen Grund sehr problematisch wäre:
Die EU-Direktive 2005/36/EG verpflichtet uns, alle Mediziner anzuerkennen, die im EU-Ausland ihren Berufszugang erhalten haben.

Sollte es also in der Französischen Gemeinschaft tatsächlich zu einer Zugangsbeschränkung zum Studium kommen, die ja ihren Ursprung eigentlich in der begrenzten Anzahl INAMI-Nummern für Mediziner hat, dann wäre juristisch zu prüfen, ob nicht ein Fall von positiver Diskriminierung, also von Bevorzugung von Ärzten vorliegt, die im EU-Ausland ihr Diplom erworben haben.
Wir hoffen auf eine baldige Stellungnahme seitens Minister Marcourt und auf die Möglichkeit, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.

Gesundheitsminister Antoniadis und ich selbst werden unsere Bemühungen in diesem Sinne auf jeden Fall fortsetzen.

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