Kirsten Neycken-Bartholemy / PDG

Integration von sehbehinderten Menschen in den Unterricht


Regierungskontrollsitzung des Ausschusses III vom 09.02.2017

Aktuelle Frage von Kirsten Neycken-Bartholemy an Minister Mollers zur Integration von sehbehinderten Menschen in den Unterricht

Sehr geehrter Herr Minister,

im November vergangenen Jahres startete das Institut provincial de l’enseignement de promotion sociale de Seraing, IPEPS, ein Pilotprojekt zur Integration sehbehinderter Studenten in den regulären Unterricht, durch eine Teilnahme am Informatikunterricht.

Durch angepasstes Schul- und Informatikmaterial und eine spezialisierte Betreuung besteht für die teilnehmenden Studenten somit die Möglichkeit, dem Unterricht ohne Einschränkung zu folgen sowie einen Abschluss anzustreben.

Wie seitens des IPEPS erläutert wurde, handelt es sich hierbei nur um einen ersten Schritt. Künftig möchte man das Angebot schrittweise ausbauen, um sehbehinderten Jugendlichen weitere Möglichkeiten der Integration in den regulären Unterricht zu ermöglichen.

Vor diesem Hintergrund lautet meine Frage:

Wie ist die Beschulung von Schülern mit Sehschwäche in der Deutschsprachigen Gemeinschaft geregelt, welche Möglichkeiten sehen Sie zur Verbesserung des Angebots und besteht für sehbehinderte Personen die Möglichkeit ein Studium an der Autonomen Hochschule in der DG aufzunehmen?

Antwort

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,

Werte Kolleginnen und Kollegen,

Schüler mit einer starken Sehbehinderung haben im Rahmen eines Kooperationsabkommens die Möglichkeit, in spezialisierten Schulen in Deutschland beschult zu werden.

Die Deutschsprachige Gemeinschaft arbeitet mit der LVR-Louis-Braille-Schule in Düren und mit der LVR-Johannes-Kepler-Schule in Aachen zusammen.

Diese Schulen bieten vor allem für Kinder, deren Sehschwäche noch mit anderen Problemen einhergeht und die häufig einen unterdurchschnittlichen Intelligenzquotienten aufweisen, eine angepasste Förderung.

Momentan besuchen drei Kinder aus der DG die Louis-Braille-Schule und zwei Kinder die Johannes-Kepler-Schule.

Wenn die Sehbehinderung das einzige grundlegende Problem der Kinder ist, so hat die Vergangenheit gezeigt, das mit technischen Hilfsmitteln und dem bereitwilligen Einsatz der Lehrer auch eine Beschulung in hiesigen Regelschulen möglich ist.

Hier wurde auch schon auf die Hilfe einer spezialisierten Integrationslehrerin aus einer der beiden deutschen Schulen zurückgegriffen.

Die Zahl der betroffenen Schüler ist sehr gering und deswegen wird in solchen Fällen meistens eine individuelle Lösung für das betroffene Kind gesucht.

So beläuft sich beispielsweise die Anzahl der integrativ beschulten Schüler in der DG für das Schuljahr 2016-2017 auf zwei Schüler im Unterrichtswesen der DG.

  • ZFP (Integration Mitte): 1 Schüler,
  • PDF (Integration Süd): 1 Schüler

Eine systemische Lösung ist angesichts der geringen Schülerzahl nicht gerechtfertigt.

Aber es werden individuelle Lösungen für jeden einzelnen betroffenen Schüler mit den hierzu zuständigen Unterstützungsdiensten wie beispielsweise der Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben gesucht.

Alle Partner werden in die permanente Optimierung der Zusammenarbeit eingebunden.

Was nun Ihre Frage nach der Möglichkeit für sehbehinderte Personen angeht, ein Studium an der Autonomen Hochschule in der DG zu absolvieren, so teilte uns die Direktion der AHS mit, dass ein Studium an der AHS durch Nachteilsausgleichmaßnahmen auch möglich wäre.

Allerdings stellt sich hier z.B. die Frage, wie der Beruf des Primarschullehrers bzw. Kindergärtners oder des Krankenpflegers mit einer starken Sehbehinderung vereinbar ist.

Nicht nur die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts wie beispielsweise des Korrigieren von Schülerarbeiten könnte Schwierigkeiten aufwerfen.

Auch die Schüler im Blick zu haben und beobachten zu können ist, könnte sich unter Umständen als eine Herausforderung erweisen, da die Sicherheit der Kinder gewährleistet sein muss und im Unterricht viel mit bildlicher Darstellung gearbeitet wird.

Kindern erschließt sich ja vieles durch Bilder besser bzw. sie können sich durch Bilder ausdrücken und kreativ betätigen.

Darüber hinaus teilte uns die Direktion der AHS mit, dass es bislang noch keine Anfrage auf Einschreibung einer sehbehinderten Person an der AHS gegeben hat. Wie in ähnlichen Fällen auch würde die AHS jedoch alles versuchen, um eine möglichst reibungslose Teilnahme am Studium zu gewährleisten.

Allerdings ist es wegen der direkten Vorbereitungen auf den Beruf der Kindergärtner(in), der Primarschullehrer(in) oder der Krankenpfleger(in) nicht nur eine Frage der Teilnahme am Studium, sondern auch eine Frage der möglichen Teilnahme am Praktikum und der beruflichen Eignungen.

Für die Teilnahme am Studium verfügt die AHS über verschiedene technische Hilfsmittel, die auch sehbehinderten Personen eine korrekte Teilnahme an diversen Unterrichtsaktivitäten ermöglichen wie beispielsweise über Computer und Tablets, die im Hinblick auf Teilhabe für alle und damit auch für seh- und für hörgeschädigte Personen viele Möglichkeiten bieten.

Im Einzelfall würde die AHS versuchen, mithilfe von Partnereinrichtungen (Zentrum für Förderpädagogik, Kaleido, Dienststelle für selbstbestimmtes Leben, usw.) oder Kooperationspartnern wie der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik in Zürich für die betroffene Person ein möglichst gutes Studienumfeld zu schaffen.

Ich freue mich sehr über die grundsätzliche Offenheit seitens der AHS.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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