Marcel Strougmayer / PDG

Schutz des beweglichen Kulturgutes


Plenum des PDG vom 20. Februar 2017

Redebeitrag von Marcel Strougmayer, Mitglied der SP-Fraktion im PDG, zum

Dekretentwurf zum Schutz des beweglichen Kulturgutes von außerordentlicher Bedeutung

Sehr geehrter Herr Präsident,

sehr geehrte Mitglieder der Regierung,

werte Kolleginnen und Kollegen,

zunächst weise ich darauf hin, dass ich meine Stellungnahme im Namen der drei Mehrheitsfraktionen von SP, ProDG und PFF an Sie richte.

Kulturgüter sind immer Interpretationen der jeweiligen Zeit, in der sie entstehen. Sie stellen einen Blick auf die Wahrnehmung des Künstlers, aber immer auch auf das dargestellte Objekt dar. Sie geben Aufschluss über die empfundene Wirklichkeit des jeweiligen Schaffenden.

So werden kulturelle Güter greifbar und zugänglich. Sie sind voller Informationen und stimulieren die Reflexion und den Austausch.

Angesichts der wichtigen Bedeutung für das gesellschaftliche Leben sollte jedwedes Kulturgut – im vorliegenden Fall das bewegliche von außerordentlicher Bedeutung – unter besonderen Schutz gestellt werden.

Der vorliegende Dekretentwurf setzt daher einen klaren, umfassenden Rahmen, der künftig Aufschluss darüber geben wird, welche Güter als bewegliche Güter mit außerordentlicher Bedeutung gewertet werden und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um dieses Kulturgut zu pflegen.

Was den Schutz und die Zugänglichkeit zu Kulturgütern angeht, sind die Digitalisierung der bestehenden Inventare und die künftig gewährleistete Unterbringung wichtige Aspekte. Gerade vor dem Hintergrund, künftig zahlreichere Kunstwerke unterbringen zu können und somit den kulturellen Schatz der Deutschsprachigen Gemeinschaft weiter auszubauen, sind diese Maßnahmen vonnöten und begrüßenswert.

Die noch festzulegende Anzahl von beweglichen Kulturgütern in Ostbelgien, die von besonderer Bedeutung für die Gemeinschaft sind, ist dabei ein wichtiges Argument für die Anpassung des bisherigen Systems durch den vorliegenden Dekretentwurf.

Bedenken wir neben den aktuellen, zeitgenössischen Gütern, die zahlreichen historischen Artefakte verschiedenster Art, archäologische Gegenstände, Bestandteile religiöser Denkmäler, Bilder, Aquarelle oder Kompositionen, um nur einige Beispiele zu nennen. All diese Kulturgüter sind stille Zeugen ihrer Zeit und geben uns nicht zuletzt Ausschluss über unsere ureigene Identität.

Zur besseren Veranschaulichung können in diesem Zusammenhang ein romanischer Kelch aus der Bergkapelle Eupen, eine Monstranz aus Augsburg (15. Jh.), eine Originalausgabe der Enzyklopädie von Diderot (Staatsarchiv) sowie ein Doppel-Januskopf aus der Keltenzeit genannt werden.

Gerade angesichts unserer sehr eigenen Geschichte, Sprache und kulturellen Prägung ist der vorliegende Dekretentwurf von zusätzlicher Bedeutung. Die kulturellen Ausdrücke unserer Alleinstellungsmerkmale gilt es zu schützen, zu hegen und zu pflegen. Dies setzt natürlich voraus, dass die Schutzliste auch dem reellen Bedarf in der Deutschsprachigen Gemeinschaft entspricht. Daher begrüßen wir, dass die Eintragung in das Verzeichnis sowohl auf Antrag, als auch von Amts wegen erfolgen kann.

Darüber hinaus ist es wichtig, die Inventarisierung weiter voranzutreiben. Dies soll im engen Kontakt mit Museen, Kirchenfabriken und Kulturstätten geschehen. Diese Herangehensweise begrüßen wir ausdrücklich. Schließlich sind es diese Akteure, die den ostbelgischen Kulturraum mit Leben füllen und stets Informationen über bestehende Güter und auch neue Entwicklungen liefern können.

Was die Aufrechterhaltung des ostbelgischen Kulturschatzes betrifft, so ist zu erwähnen, dass es verboten ist, eingetragenes Kulturgut zu zerstören, zu beschädigen oder dessen Erscheinungsbild zu verändern. Hierdurch wird die bestenfalls lange Haltbarkeit eingetragener Kulturgüter gewährleistet und diese gleichzeitig für die noch kommenden Generationen gesichert.

Eine weitere sehr wichtige Maßnahme ist die Informationspflicht darüber, wo sich ein eingetragenes Kulturgut außerordentlicher Bedeutung zu welchem Zeitpunkt befindet. Auch hierdurch kann der Schutz des kulturellen Erbes unserer Gemeinschaft verbessert werden.

Werte Kolleginnen und Kollegen,

Abschließend gilt es festzuhalten, dass vorliegender Dekretentwurf einen wichtigen Beitrag zu Absicherung der Kulturgüter und gleichzeitig zur Kulturförderung leistet.

Die Frage nach der Identität der Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinschaft spiegelt sich in den zahlreichen Gütern wider, die sich auf unserem Territorium befinden oder gar hier entstehen. Wie bereits angedeutet, spielen in unseren Augen die kulturelle Vielfalt und die zahlreichen künstlerischen Ausdrucksformen gerade für eine kleine Gemeinschaft wie der unsrigen eine besondere Rolle. Sie schaffen Zusammenhalt, Sinn und Orientierung. Dabei liefern sie in vielfältiger Art und Weise einen direkten Einblick in die Lebensumstände der hiesigen Bevölkerung. Sie schaffen gemeinsame Bezugspunkte und vereinigende Momente. Das macht sie so wertvoll und schützenswert.

Oder, um es mit Friedrich Nietzsche zu sagen: „Kultur ist vor allem Einheit des künstlerischen Stiles in allen Lebensäußerungen eines Volkes.“

Aus all den genannten Gründen stimmen die Mehrheitsfraktionen von SP, ProDG und PFF dem vorliegenden Dekretentwurf zu.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

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