Kirsten Neycken-Bartholemy / PDG

Beschulung von erstankommenden Schülern


Plenum des PDG vom 26.06.2017

Stellungnahme von Kirsten Neycken-Bartholemy zum Dekretentwurf zur

Beschulung von erstankommenden Schülern (Dok.192)

Sehr geehrter Herr Präsident,

sehr geehrte Mitglieder der Regierung,

werte Kolleginnen und Kollegen,

Mit dem heute zur Abstimmung stehenden Dekretentwurf zur Beschulung von erstankommenden Schülern leisten wir einen wichtigen Beitrag zur besseren Integration junger Menschen in unsere Gesellschaft.

Die SP-Fraktion begrüßt dabei ausdrücklich, dass die bisherige Fassung des Dekretes durch den neuen Wortlaut abgelöst und somit den Anforderungen und Entwicklungen der Gegenwart angepasst wird.

Nicht erst seit der sogenannten Flüchtlingskrise ab dem Jahre 2015 hat sich der bisherige Text als veraltet dargestellt. Bereits zuvor war immer wieder die Rückständigkeit der bis dato geltenden Regelungen kritisiert worden.

Nichtdestotrotz stellt das Jahr 2015 und die zunehmenden Fluchtströme nach Europa einen Gezeitenwechsel für die Integration auf dem gesamten Kontinent und nicht zuletzt in der DG dar. Die Einrichtung des Asylbewerberheims in Elsenborn hat deutlich zu einem höheren Bedarf an verbesserten Rahmenbedingungen für erstankommende Schüler beigetragen.

Es ist daher durchaus positiv zu bewerten, dass mit dem vorliegenden Dekretentwurf ein gänzlich neuer Text erstellt wurde. Dieser soll nun den gesamten Komplex der Beschulung von erstankommenden Schülern abdecken.

Die neuen Regelungen sollen dabei sicherstellen, dass jeder erstankommende Schüler auf Basis seiner Sprachkenntnisse beschult werden kann und nicht etwa aufgrund seiner Herkunft. Dies macht Sinn, da jeder Schüler sein individuelles Sprachniveau mitbringt. Manche Schüler können vom ersten Tag an dem regulären Unterricht folgen, weil sie über weitreichende Sprachenkenntnisse verfügen. Andere müssen behutsam und zeitintensiv auf den Unterricht in einer ihnen neuen Sprache vorbereitet werden.

Darüber hinaus soll künftig die Unterstützung aller Beteiligten – also der Schüler, Lehrer und Verwaltungen – verbessert, vereinfacht und erkennbarer strukturiert werden. Dies hat auch einen positiven Einfluss auf den administrativen Aufwand, der mit der Beschulung erstankommender Schüler einhergeht.

Werte Kolleginnen und Kollegen,

Neben grundlegenden Kenntnissen über Kultur, Sitten und Gebräuche in der neuen Heimat, ist die Kenntnis der Sprache sicherlich ein ganz zentrales Element und gleichzeitig der Schlüssel zur Integration in das neue Umfeld – ganz gleich, ob dies nur ein vorübergehender Status ist.

Genau an dieser Stelle setzt das System der Sprachlernklassen an. Hier werden die Schüler, die ein Defizit in der Unterrichtssprache haben, gezielt auf ein höheres Sprachniveau gebracht. In der Folge sollen sie dann, nach erfolgreichem Erwerb der sprachlichen Grundvoraussetzungen, in den Regelunterricht integriert werden.

Wir begrüßen, dass dieses System nun auch auf Grundschüler und auf Kinder, die kurz vor der Einschulung stehen, ausgeweitet wird. Hier gilt: je früher die korrekte Anwendung der jeweiligen Unterrichtssprache vermittelt und erlernt wird, desto einfacher fällt einerseits der Übergang in den Regelunterricht. Zum anderen werden den Schülern von klein auf die wichtigsten Instrumente zu einer gelungenen Integration vermittelt.

Aus diesen Gründen sehen wir die Zulassung von Kindern und Jugendlichen ab 3 bis 18 Jahren als vielversprechende Maßnahme.

Es ist sehr wichtig, dass die Schulen über genug Personalressourcen verfügen, um die reibungslose Organisation der Sprachlernklassen auf der einen und der Sprachlernkurse auf der anderen Seite gewährleisten zu können.

Vor diesem Hintergrund ist der im Dekrettext festgelegte Schlüssel zur etwaigen Aufstockung des Stundenkapitals eine sinnvolle Regelung im Sinne der erstankommenden Schüler, aber nicht zuletzt auch der Bildungsinstitutionen, die schnell und ohne großen Aufwand auf zusätzliches Personal zurückgreifen können, sollte sich kurzfristig Bedarf ergeben.

Darüber hinaus ist es zu begrüßen, dass – unabhängig von der Anzahl Schüler – jeweils mindestens eine Sprachlernklasse im Norden sowie im Süden der Deutschsprachigen Gemeinschaft organisiert wird.

Werte Kolleginnen und Kollegen,

die Integration von zugezogenen Mitbürgern ist eine zentrale Aufgabe westlicher Gesellschaften in 21. Jahrhundert.

Dies gilt insbesondere für die Deutschsprachige Gemeinschaft.

Mit dem vorliegenden Dekretentwurf setzen wir die Rahmenbedingungen so, dass alle erstankommenden Schüler intensiv auf eine erfolgreiche Laufbahn in einer Schule der DG vorbereitet werden.

Denn nur durch die grundlegende Kenntnis der Sprache, können sich die Kinder und Jugendlichen hier integrieren, ein aktiver Teil der ostbelgischen Gesellschaft werden und zu gegebener Zeit sowie mit Aussicht auf Erfolg am Regelunterricht teilnehmen.

Die SP-Fraktion stimmt daher dem vorliegenden Dekretentwurf zu.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

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