Charles Servaty / PDG

Folgen der geplanten Herabsetzung des Eintrittsalters in den Kindergarten


Frage von C. Servaty an Minister Antoniadis

Wie der Ministerpräsident bei der Vorstellung der gemeinschaftspolitischen Erklärung während der Plenarsitzung vom 18. September 2017 mitteilte, gedenkt die Regierung das Amt der Kindergartenhelfer dekretal einzuführen und damit deren Einsatz strukturell abzusichern. In der Folge einer solchen Einführung wolle die Regierung darauf hinarbeiten, das Eintrittsalter in den Kindergarten von bisher 3 auf dann 2,5 Jahre herabzusetzen. Dies als weiterer Beitrag zum Ausbau der Kleinkindbetreuung. Kinderkrippen und Tagesmütter würden überdies spürbar entlastet. Zusätzliche Kapazitäten würden freigemacht. Gleichsam müssten hierfür viele Voraussetzungen geschaffen werden. Kontraproduktive Effekte und eine Überforderung der Kindergärten sollten vermieden werden. Vor diesem Hintergrund lauten meine Fragen an Sie: Wie bewerten Sie die Herabsetzung des Eintrittsalters in den Kindergarten aus familienpolitischer Sicht? Ist mit einer zusätzlichen Belastung in der außerschulischen Betreuung zu rechnen? Besteht in den Kindergärten und Schulen der DG eine angemessene und ausreichende Infrastruktur – beispielsweise Schlafräume, Windelwechselräume, Ablagemöglichkeiten, usw. –, um dem zusätzlichen Bedarf gerecht zu werden?

Frage von Charles Servaty:

Wie der Ministerpräsident bei der Vorstellung der gemeinschaftspolitischen Erklärung während der Plenarsitzung des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft vom 18. September 2017 mitteilte, gedenkt die Regierung das Amt der Kindergartenhelfer dekretal einzuführen und damit deren Einsatz strukturell abzusichern.
In der Folge einer solchen Einführung wolle die Regierung darauf hinarbeiten, das Eintrittsalter in den Kindergarten von bisher 3 auf dann 2,5 Jahre herabzusetzen. Dies als weiterer Beitrag zum Ausbau der Kleinkindbetreuung. Kinderkrippen und Tagesmütter würden überdies spürbar entlastet. Zusätzliche Kapazitäten würden freigemacht.
Gleichsam müssten hierfür viele Voraussetzungen geschaffen werden. Kontraproduktive Effekte und eine Überforderung der Kindergärten sollten vermieden werden. Daher sei eine gründliche Vorbereitung und zusätzliches Personal vonnöten, so der Ministerpräsident.

Vor diesem Hintergrund lauten meine Fragen an Sie:

  • Wie bewerten Sie die Herabsetzung des Eintrittsalters in den Kindergarten aus familienpolitischer Sicht?
  • Ist mit einer zusätzlichen Belastung in der außerschulischen Betreuung zu rechnen?
  • Besteht in den Kindergärten und Schulen der DG eine angemessene und ausreichende Infrastruktur – beispielsweise Schlafräume, Windelwechselräume, Ablagemöglichkeiten, usw. –, um dem zusätzlichen Bedarf gerecht zu werden?

Antwort von Antonios Antoniadis:

Die Regierung wird sich sorgfältig mit allen Fragen rund um das Herabsetzen des Kindergartenalters beschäftigen, ehe solch eine Maßnahme umgesetzt wird.
Ich erinnere daran, dass in der Regierungserklärung das Projekt lediglich angekündigt wurde. Was damit zusammenhängt, muss die Regierung, allen voran der Unterrichtsminister, zunächst untersuchen.
Aus familienpolitischer Sicht kann ich solch einer Maßnahme einiges abgewinnen.
Es gibt bereits einen kleinen Teil von Kindern, die zu Beginn des Schuljahres, zwischen September und Dezember, noch nicht 3 Jahre alt sind. Es gibt allerdings eine Reihe von Herausforderungen, die damit verbunden sind.
Zwischen 2,5 und 3 Jahren besteht nicht einfach „nur“ ein halbes Jahr Altersunterschied. In der Entwicklung eines Kleinkindes macht dieses halbe Jahr viel aus.
Kinder in diesem Alter werden zurzeit zuhause betreut oder aber bei einer Tagesmutter bzw. in einer Kinderkrippe.
In der organisierten Kinderbetreuung gibt es ein pädagogisches Konzept für Kleinkinder.
Ausreichend Kinderbetreuer sind vorgesehen.
Die Kinder haben die Möglichkeit, sich auszuruhen.
Für die Kinder und das Personal muss es sanitäre Anlagen geben inklusive Duschen.
Man darf nicht vergessen, dass Kinder in dem Alter nicht immer trocken sind.
Mit all diesen Fragen wird man sich auseinandersetzen. Das ist zum Teil schon der Fall. Was den Personaleinsatz angeht, so beabsichtigt die Regierung, die Kindergartenhelfer für diesen Zweck einzusetzen. Ob die Räumlichkeiten in den Schulen den Anforderungen entsprechen, das hängt vom Bedarf ab.
Der Unterrichtsminister wird sich mit diesen Fragen auseinandersetzen und der Regierung einen Vorschlag unterbreiten. Ich denke, dass Kaleido da auch eine wesentliche Rolle spielen wird.

Was die Kinderbetreuung angeht, so glaube ich in der Tat, dass es einen Effekt geben wird.
Der Kindergarten ist im Gegensatz zur Kleinkindbetreuung kostenlos. Schon allein aus diesem Grund werden sich einige Eltern für den Kindergarten entscheiden. In Kombination mit der außerschulischen Betreuung entstehen vergleichsweise nur geringe Kosten.
Übrigens! Während man von freien Kapazitäten bei den Tagesmüttern und den Krippen spricht, muss man von einer erhöhten Nachfrage in der außerschulischen Betreuung sprechen.
Denn außerhalb der Kindergartenzeit brauchen die Eltern trotzdem eine Betreuung für ihren Nachwuchs.
In der außerschulischen Betreuung werden gegenwärtig 2410 Kinder zwischen 3 und 12 Jahren betreut.
Auf Grundlage dieser Zahlen könnten 250 Kinder pro Jahr zusätzlich hinzukommen. Das ist aber nur eine erste Schätzung.
Für diese Kinder müssen allerdings neue Kinderbetreuer eingesetzt werden. Kinderbetreuer, die im Moment auf dem Arbeitsmarkt nicht verfügbar sind.
Aus diesem Grund werden wir im Masterplan untersuchen, wie wir andere Berufsbilder in der außerschulischen Betreuung einsetzen können.

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