Kirsten Neycken-Bartholemy / PDG

Gemeinschaftshaushalt 2018


Plenum des PDG vom 12.12.2017

Stellungnahme von Kirsten Neycken-Bartholemy, Mitglied der SP-Fraktion im PDG

Gemeinschaftshaushalt 2018

Themendebatte – Ausschuss III

 

Sehr geehrter Herr Präsident,

sehr geehrte Mitglieder der Regierung,

werte Kolleginnen und Kollegen,

der Fachausschuss III hat sich in den vergangenen Monaten einer Vielzahl von Themen gewidmet, die ganz konkret die Zukunft gerade junger Menschen in der DG betreffen.

Daher möchte ich in der Folge auf die – in den Augen der SP-Fraktion – wichtigsten Elemente des vorliegenden Haushaltsentwurfs 2018 eingehen.

Gerade in diesem Organisationsbereich halte ich es für besonders wichtig, sich von den reinen Zahlen ein Stück weit zu entfernen und das große Ganze im Blick zu behalten.

Das große Ganze bedeutet in diesem Zusammenhang in erster Linie: wie schaffen wir es, junge Menschen bestmöglich darauf vorzubereiten, aufgeklärt und gut ausgebildet, auf eigenen Beinen stehen zu können?

Die adäquate Ausbildung von Lehrpersonal spielt vor diesem Hintergrund eine ebenso wichtige Rolle, wie die Etablierung eines gesunden und förderlichen Lehr- und Lernumfelds. Die DG ist hier sehr aktiv. Dennoch sollte man – bei allen Erfolgen, die wir bereits verzeichnen konnten – niemals zufrieden sein.

Verbesserungen sind immer möglich.

Was ich damit konkret meine, werde ich in den kommenden Minuten meiner Stellungnahme darlegen.

 

Werte Kolleginnen und Kollegen,

zunächst möchte ich auf ein Herzensthema der SP-Fraktion zu sprechen kommen: die Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit.

Wie wir eben in der Stellungnahme meines Fraktionskollegen Marcel Strougmayer gehört haben, bestehen auf dem Arbeitsmarkt der DG maßgebliche Herausforderungen darin, Personen mit keinem oder einem niedrigen Schulabschluss in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Bedenken wir: die schulische Ausbildung dient neben der Stimulierung der persönlichen Entwicklungsfähigkeit eines jeden einzelnen Schülers und Auszubildenden immer auch der bestmöglichen Vorbereitung auf das Arbeitsleben.

Grob zusammengefasst: je besser ein Schüler in der Schule ist, desto besser sind seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Sei es durch die Qualifikation für ein Studium, eine Lehre oder eine anderweitige berufliche Ausbildung.

Leider sind die Faktoren, die dazu beitragen, ob ein Schüler gute oder schlechte Noten erhält, oft auch in dessen direkten, familiären Umfeld zu suchen.

Und genau an dieser Stelle müssen wir mit der Bildungspolitik in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ansetzen.

Es darf nicht sein, dass das Bildungsniveau oder der soziale Stand der Eltern einen maßgeblichen Einfluss auf die Bildungschancen ihrer Kinder haben.

Wir haben diese Thematik mehrfach im zuständigen Ausschuss erörtert. Hier können die Schulen selbst, beziehungsweise in Zusammenarbeit mit Kaleido oder anderen externen Partnern ein Klima schaffen, das es jedem Schüler ermöglicht, ideal gefördert zu werden.

Die Teilhabe an gemeinsamen, schulischen Projekten, die über den normalen Schulalltag hinausgehen, ist dabei ein ebenso wichtiger Faktor zur Integration sozial benachteiligter Schüler in den Schulalltag.

Ein weiteres Element im Zusammenhang mit Bildungsgerechtigkeit ist die Bereitstellung kostenlosen Wassers für die Schüler und Lehrer. Darüber hinaus ist das Angebot kostengünstigen, qualitativ hochwertigen Essens in den Schulen der DG eine Maßnahme, die weiter ausgebaut werden könnte – beispielsweise durch ein Frühstücksangebot.

Gerade für die Schüler, die von zuhause aus nicht mit dem Nötigsten versorgt werden, muss hier Abhilfe geschaffen werden. Nur, wer seinem Körper auch die nötige Energie in Form gesunder Nahrung zuführt, kann Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit entwickeln. Wir begrüßen, dass die DG hier bereits sehr aktiv ist, werden jedoch auch künftig die Weiterentwicklung dieser Angebote aufmerksam begleiten…

Ein weiteres wichtiges Feld ist die Verbesserung des Zugangs für Frauen zu Ausbildungsberufen, die als klassische Männerdomänen gelten. Angesichts des oft angebrachten Fachkräftemangels bestehen hier sicherlich Chancen, positive Akzente zu setzen.

Außerdem müssen wir feststellen, dass viele Mädchen, die eine Ausbildung zu einem klassischen Frauenberuf, oft nicht auf ein angemessenes Ausbildungsangebot in der DG zurückgreifen können. Hier können neue Akzente gesetzt werden, die nicht zuletzt dem Arbeitsmarkt zugutekommen würden. Ich denke da beispielsweise an eine Ausbildungsoffensive zur Arzthelferin beziehungsweise Zahnarzthelferin oder ähnlichen Berufen.

Hier müssen wir künftig prüfen, ob es nicht Möglichkeiten gibt, diesem Engpass durch bildungspolitische Maßnahmen entgegenzuwirken. Warum sollten wir nicht die Einführung eines solchen Angebots, beispielsweise über die Autonome Hochschule oder im Rahmen der beruflichen Ausbildung ins Auge fassen?

Hier darf es keine Denkverbote geben.

 

Werte Kolleginnen und Kollegen,

die Integration von zugezogenen Mitbürgern in die hiesige Gesellschaft ist bereits gestern im Rahmen der Debatte zum Integrationsdekret intensiv behandelt worden.

Integration betrifft jedoch bei weitem nicht nur die Erwachsenen. Gerade für junge Menschen ist es wichtig, in ihrem Alltag ein förderndes Umfeld zu haben, in dem sie sich wohl fühlen. So kann Integration – auch ganzer Familien – gelingen.

Die Schule spielt hier eine maßgebliche Rolle. Durch den Umgang mit den anderen Schülern entstehen Freundschaften und ein sehr positiver Umgang mit Integration. Die Förderung der erstankommenden Schüler wird durch die diesbezügliche dekretale Verankerung sehr positiv beeinflusst.

Die SP-Fraktion empfindet es daher als sehr wertvoll, die Unterstützung der betroffenen Sekundarschulen durch die Schaffung zusätzlicher Stellen auszubauen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, als Beitrag sowohl zur Steigerung der Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit, als auch zur Integration, ist der Umgang mit einem immer heterogener werdenden Schulumfeld.

Dies ist ein Thema in allen Schulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft und bringt eine Vielzahl an Herausforderungen mit sich.

Wenn wir den Blickwinkel etwas verändern, dann merken wir schnell, dass der Heterogenität eine große Chance inne liegt. Die Gesellschaft wird immer bunter, individueller und eben heterogener. Somit ist der Schulalltag auch nicht mehr als ein Spiegel der gesamten Gesellschaft.

Die SP-Fraktion begrüßt daher, dass bei der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonal vermehrt Wert auf den richtigen Umgang mit diesem Phänomen gelegt wird.

Wichtig ist es, einen Ausgleich sozialer Nachteile beziehungsweise Hemmnisse bei jedem Einzelnen anzustreben. Auf der anderen Seite liegen in der grundlegenden Unterschiedlichkeit der Schülerinnen und Schüler auch große Chancen, die gegenseitige Akzeptanz zu stärken.

Und diese Lehre, nämlich dass jeder auf seine Art einzigartig ist, ist eine Lehre fürs Leben, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt auch in Zukunft sehr positiv beeinflussen kann.

 

Werte Kolleginnen und Kollegen,

Abschließend möchte ich noch auf die geplante Maßnahme zur Anpassung des Kindergartenalters auf zweieinhalb Jahre eingehen.

Grundsätzlich stehen wir diesem Vorhaben sehr positiv gegenüber. Nicht zuletzt, weil dadurch ein direkter Einfluss auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgeübt wird. Je früher die Kinder in den Kindergärten der DG einen Platz finden, umso eher werden einerseits die Kinder betreut und andererseits die Eltern entlastet.

Natürlich bedeutet das auch, dass die Kindergärtner eine personelle Unterstützung benötigen werden, um diesem Mehraufwand gerecht zu werden.

Nichtsdestotrotz dürfen wir nicht Gefahr laufen, den aus dieser Maßnahme resultierenden Mehrbedarf an Personal durch eine Aufweichung der Ausbildung zu erreichen.

Die Ausbildungsstätten für Kindergärtner und Pädagogen in der DG arbeiten auf einem sehr hohen Niveau. Der Aufwand, den die angehenden Kindergärtner, Erzieher und Pädagogen erbringen müssen, ist enorm. Dadurch gewährleisten wir eine hohe Qualität bei der Kinderbetreuung – vor und im Kindergartenalter.

Wenn nun künftig vermehrt Kindergartenhelfer in der DG eingesetzt werden sollen, wird zu beachten sein, dass hier keine Konkurrenz zu den genannten klassischen Ausbildungen entsteht.

Wir erachten die Kindergartenhelfer als wichtige Unterstützung der diplomierten Kräfte – vor allem im niedrigschwelligen Bereich. Die Tätigkeit als Kindergartenhelfer kann als Ansporn zu einer Weiterbildung oder einem Studium gesehen werden.

Hierzu muss auch weiterhin das bereits bestehende Ausbildangebot das qualitative Maß der Dinge bleiben. Schließlich gibt es ja – wie bereits angedeutet – die Ausbildungen beispielsweise zum Erzieher, Kinderbetreuer, Pflegehelfer, die sehr viel intensiver in Zeit und Aufwand sind, als die Ausbildung zum Kindergartenhelfer.

 

Werte Kolleginnen und Kollegen,

vor dem Hintergrund der vielen Erfolge der vergangenen Jahre und der geplanten weitreichenden Maßnahmen in den genannten Organisationsbereichen – gerade im Hinblick auf einen ausgeglichenen Haushalt – stimmt die SP-Fraktion dem vorliegenden Haushaltsentwurf auch aus der Perspektive des Fachausschusses III zu.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

 

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