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Grenz-Echo-Monatsartikel - 04.02.2010

Alt werden ist mehr als eine Frage des verfügbaren Einkommens.

Die Menschen werden älter, die Lebenserwartung eines jeden steigt. Darüber freuen wir uns. Die Zahl der drei bzw. der viermal Zwanzigjährigen nimmt von Jahrzehnt zu Jahrzehnt zu. Gleichzeitig nimmt die Zahl der nachrückenden Generationen aufgrund der geringeren Kinderzahl pro Familie ständig ab. Daraus ergibt sich ein demographisches Ungleichgewicht, das uns vor neue Herausforderungen stellt – sowohl im Bereich der Versorgung der Senioren als auch im Bereich der gesundheitlichen Pflege.

Dabei sind es nicht die Personen mit einem hohen Einkommen, sondern diejenigen mit geringem Einkommen, um deren Altersversorgung wir uns kümmern müssen. Eine Umfrage ergab, dass dies die größte Sorge unserer Menschen ist, inklusive der jüngeren Generationen. Auf der anderen Seite liegt darin auch eine ungeahnte Chance, denn Menschen gewinnen mit dem Alter an Lebenserfahrung, Wissen und Fähigkeiten hinzu, von denen die jüngeren Generationen lernen können.

Ein besonderes Problem ist die Beschäftigungslage der Menschen ab 55 Jahren. Höchstens ein Viertel der Menschen dieser Altersgruppe ist noch im Beruf. Damit geht den Unternehmen viel Fachverstand verloren. Und die öffentlichen Kassen geraten aus dem Gleichgewicht: auf der einen Seite stehen weniger Beitragszahler mehr Nutznießern und längerer Beanspruchung der Sozialkassen auf der anderen Seite gegenüber. Die wichtigste Frage einer Gesellschaft, die auf jung getrimmt ist, heißt: welchen Platz räumen wir den alten Menschen ein? Denn – alt werden, gehört zum Leben dazu!

Die Fragen, mit denen sich ältere Menschen beschäftigen, betreffen nicht nur das Einkommen. In einer Gesellschaft, die konsequent auf jung getrimmt ist, wird das älter werden weitgehend aus dem Bewusstsein verdrängt – zumindest solange, bis es sich nicht mehr leugnen lässt. Viele der älteren Menschen ziehen sich folglich ins Private zurück, manche gewollt, manche aber auch ungewollt, wenn es heißt, Platz zu machen für einen jüngeren.

Zur Lösungsfindung gehören die Förderung alternativer Wohnformen z.B. betreutes Wohnen oder Altenheimplätze für Paare (auch wenn der eine Partner pflegebedürftig ist), stärkere Unterstützung bei der Durchführung von Umbauarbeiten und Anschaffung von Hilfsmitteln zum barrierefreien Wohnen, optimale Koordinierung der häuslichen Versorgung, kommunale Anlaufstellen für Seniorinnen und Senioren,  von allen nutzbare und kluge Mobilitätsmaßnahmen, usw.

Alt werden ist mehr als eine Frage des verfügbaren Einkommens.

Nadine Rotheudt
PDG-Mitglied