„Begleitung und Betreuung von Arbeitslosen durch das Arbeitsamt der Deutschsprachigen Gemeinschaft (ADG)“
Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrte Frau Ministerin,
sehr geehrte Herren Minister,
werte Kolleginnen und Kollegen!
Im Namen der Fraktionen der Mehrheit werde ich kurz das Wort ergreifen.
Bevor ich zu meinen Vorschlägen komme, möchte ich vor der Fragestellung warnen, die vereinfacht in Schwarz-Weiß-Manier lauten könnte: Mangelt es in der DG an Arbeitsplätzen oder gibt es einfach zu viele faule Arbeitslose?
Es muss differenziert werden: es gibt möglicherweise Arbeitslose, die nicht mehr arbeiten wollen. Es gibt möglicherweise Arbeitslose, die sich in diesem Zustand gefallen und möglichst lange von der Allgemeinheit profitieren wollen.
Aber es gibt, und das ist meiner Meinung nach die weitaus überwiegende Zahl, diejenigen, die sich redlich bemühen, die die vielfältigen administrativen Schritte tun, um dem Arbeitsamt zu beweisen, dass sie sich bei potentiellen Arbeitgebern beworben haben. Die Folgen sind dann besonders schlimm, denn trotz vielfältiger Anstrengungen riskiert der Arbeitssuchende den Ausschluss vom Arbeitslosengeld durch die ONEM-Behörde.
Zwecks besserer Begleitung von Arbeitslosen, die ich lieber Arbeitssuchende nennen möchte, gibt es das Verfahren des „Job Coachings“, das in manchen Ländern scheinbar erfolgreich durchgeführt wird. Menschen, die nach vielen Jahren Tätigkeit in ihrer Firma plötzlich entlassen werden, stehen der neuen Situation, nämlich einerseits arbeitslos zu sein und andererseits sich neu bewerben zu müssen, meist hilflos gegenüber. Das „Job Coaching“ soll an dieser Stelle greifen, indem es Arbeitssuchenden eine Chance gibt, sich am Arbeitsmarkt zurechtzufinden und sich richtig zu bewerben.
Es gibt aber auch Kritik. So sagt zum Beispiel der „Erfinder“ des Job-Coachings Österreich, Klaus Werner, „dass bei schlechter Konjunktur Job-Coaching zuwenig sei: „Reines Job-Coaching entfaltet dann die größte Wirkung, wenn bei guter Konjunktur genügend Arbeitsplätze angeboten werden. In schlechten Zeiten, wie diesen, müsse Job-Coaching mit anderen Modulen wie Weiterbildungsmaßnahmen kombiniert werden“.
Beim Umgang mit einem Arbeitslosen plädieren wir dafür, den Arbeitssuchenden nicht dafür schuldig zu machen, wenn zu wenige Arbeitsplatzangebote frei sind. Sanktionen als Druckmittel sind möglicherweise bei dem einen oder anderen notwendig, wichtiger erscheint uns aber, mehr auf Schulung, Weiterbildung und Vermittlung zu setzen. Sanktionen sind möglicherweise dann notwendig, wenn Arbeitslose über einen Berufsabschluss verfügen, für den es auf dem Arbeitsmarkt genügend offene Stellen gibt und wenn sich der betreffende Arbeitslose nicht darauf bewirbt.
In die Diskussion möchte ich gerne noch folgende zwei Möglichkeiten einbringen:
- statt unkoordinierter Suche sollte ein Arbeitssuchender Hilfe erhalten, indem für ihn ein Eingliederungsplan entworfen wird, an dessen Ende die Aussicht auf einen Arbeitsplatz realistisch ist. Dieser individuelle Plan sollte in Absprache zwischen den ÖSHZ, dem Arbeitsamt und dem ONEM entstehen.
- die Mangelberufe, und das sind meist handwerkliche Berufe, müssen sehr schnell vom Arbeitsamt identifiziert und die Arbeitssuchenden müssen gezielt auf deren Besetzung hin geschult werden.
Die Arbeitssuchenden sollen bestmöglich begleitet werden. Aber sie sollten sich bewusst sein, dass der Traumjob nicht auf einem Silbertablett serviert werden kann. Es geht nicht ohne eigene Anstrengung und meist hilft das Blättern in der Zeitung allein auch nicht. Neben der Begleitung wird eben auch Eigeninitiative verlangt.
Abschließend möchte ich sagen:
Neben der lobenswerten Anstrengung, die Arbeitslosen zu begleiten und zu betreuen, sollte das Hauptaugenmerk darauf ausgerichtet sein, diese Begleitung individuell zu gestalten, damit sie rasch und gezielt wirksam werden kann.
Es scheint mal wieder so kommen zu müssen, dass wir – wie es in anderen Bereichen auch schon oft der Fall war – mal wieder eine auf die DG zugeschnittene Lösung finden müssen; eine Lösung, in der wir natürlich auch gute Ideen von anderen Regionen übernehmen können; eine Lösung, die möglichst effizient für die Arbeitssuchenden wirkt und möglichst kostengünstig für die Deutschsprachige Gemeinschaft ist.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit
Resi Stoffels |