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Charles Servaty - Herausforderung Atomausstieg
Aktueller Grenz-Echo Monatsartikel von Charles Servaty
„Herausforderung Atomausstieg“
Seit fast einer Woche erreichen uns jeden Tag aufwühlende Bilder aus Japan. Bilder, die von einer dreifachen Katastrophe zeugen, deren gesamtes Ausmaß beim momentanen Stand noch nicht annähernd absehbar ist. Unser aller Gedanken sind bei den Menschen inmitten dieser unbeschreiblichen Katastrophe. Doch bei den aufkommenden Debatten, die sich um die politischen Folgen der Ereignisse in Japan drehen, sollte nicht vergessen werden, dass zunächst unser tiefes Mitgefühl für die Millionen von betroffenen Menschen in der Region gefragt ist. Das wiederum heißt nicht, dass uns die drohende atomare Katastrophe nicht intensiv beschäftigen sollte.
Humanitäre Aufgabe
Während nun allerorts eine – längst überfällige – Debatte über die Sicherheit der hiesigen Atommeiler geführt wird, muss also dennoch darauf hingewiesen werden, dass die humanitäre Aufgabe, die der Weltgemeinschaft in der nächsten Zeit in Japan bevorsteht, enorme Ressourcen und logistische Mittel aller Art erforderlich machen wird. Der Wiederaufbau des Landes wird Monate, wenn nicht Jahre dauern. Hier ist die Weltgemeinschaft gefragt, sich solidarisch mit der japanischen Bevölkerung zu zeigen und schlicht und ergreifend mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen.
Aus moralisch-ethischer Sicht ist die humanitäre Katastrophe der westeuropäischen Debatte um Sinn, Nutzen und Sicherheit von Atomstrom übergeordnet. Ich will damit nicht sagen, dass wir diese Debatte aufschieben sollten. Dennoch denke ich, dass die Gefahr nun groß ist, in Aktionismus zu verfallen. Wir alle wissen, dass unbestreitbare Gefahren von Atomkraftwerken ausgehen. Allerdings müssen wir auch feststellen, welch hohen Strombedarf unserer heutiger Lebensstandard voraussetzt. Die Debatte über die sichere Energieversorgung der Zukunft führt man nicht in einigen wenigen Tagen. Und diese Debatte muss in Teilen unabhängig von der CO2 gesteuerten Klimadiskussion geführt werden.
Atomausstieg statt Laufzeitverlängerungen
Wir befürworten die Erstellung eines kurz- bis mittelfristigen Plans zum Atomausstieg; Laufzeitverlängerungen auf unbestimmte Zeit können es nicht sein! Es ist eine zentrale Herausforderung unserer Zeit, eine Energieversorgung aufzubauen, die in absehbarer Zeit zu 100 % aus erneuerbaren Energien bestehen kann. Dies sind wir unseren Nachfahren schuldig, denen wir einen sauberen und zukunftsfähigen Planeten überlassen wollen.
Wir werden uns einer ernstgemeinten, ehrlichen und tiefgreifenden Debatte rund um Kernenergie, die Laufzeiten der Atomkraftwerke und die Umstellung auf erneuerbare Energien nicht verschließen. Ebenfalls sind wir gewillt, die nötigen Schritte einzuleiten, um auf absehbare Zeit aus der Abhängigkeit von Atomstrom herauszukommen. Doch eines ist klar: wir verwahren uns gegen politische Schnellschüsse und emotional aufgewühlte Scheindebatten. Solche kann man momentan sehr gut in Deutschland beobachten.
Charles Servaty
Vorsitzender der SP-Fraktion im PDG
