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Charles Servaty - Freie Tribüne vom 14. Januar 2012
Freie Tribüne vom 14. Januar 2012
Protokoll des Interviews mit dem Vorsitzenden der SP-Fraktion, Charles Servaty
Werte Hörerinnen und Hörer!
Ich begrüße Sie recht herzlich zur „Freien Tribüne“. Heute wieder mit der SP-Fraktion. Als Gast begrüße ich Herrn Charles Servaty, den Vorsitzenden der SP-Fraktion im Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft.
Guten Tag, Herr Servaty!
Charles Servaty:
Guten Tag!
Freie Tribüne:
Herr Servaty, wir blicken auf ein bewegtes Jahr 2011 zurück, sowohl in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, als auch weltweit. Wie bewerten Sie rückblickend das Jahr 2011 und welche Perspektiven sehen Sie für das kommende?
Charles Servaty:
Zunächst einmal möchte ich allen Hörerinnen und Hörern ein erfolgreiches, gesundes und glückliches neues Jahr wünschen.
Doch nun zu Ihrer Frage.
Das wichtigste Ereignis für uns Belgier im Jahr 2011 ist natürlich die neue Regierung, die wir zum Jahresende erhalten haben. Nach schier unendlichen Monaten der Verhandlungen wurde Anfang Dezember endlich der Durchbruch erzielt und wir können das neue Jahr in einem Belgien mit einer funktionstüchtigen Regierung angehen.
Rückblickend stand das Jahr 2011 natürlich auch, wie wir alle wissen, ganz im Zeichen der Euro- und Schuldenkrise. Ich denke, dass unsere Zukunft und auch die unserer Kinder und Kindeskinder davon abhängt, welche Lehren wir aus den Geschehnissen des letzten Jahres ziehen. Mit diesem Hinweis bin ich vielleicht schon beim Blick nach vorne, doch halte ich diesen Punkt für sehr wichtig und möchte auch mit besonderem Nachdruck betonen, wie wichtig es ist, die richtigen Lehren aus der Krise zu ziehen beziehungsweise Weichen zu stellen.
Doch nun zurück zu meiner Bewertung des vergangenen Jahres. Rückblickend kann man nur sagen, dass uns im Jahr 2011 eine Fülle an Geschehnissen aus dem gewohnten Lauf der Dinge herausgerissen hat. Ich kann mich – außer vielleicht 1989, mit dem Fall der Berliner Mauer – nicht an ein vergleichbares Jahr erinnern, das ähnlich viele globale Veränderungen und Entwicklungen hervorgebracht hat. Darunter waren sicherlich viele Nachrichten, die uns haben aufschrecken lassen und uns menschlich tief berührt haben. Ich denke da in die schrecklichen Attentate in Lüttich und Norwegen, aber auch den Staatsterror in Syrien.
Grund zur Hoffnung hat uns auf der anderen Seite die Welle der friedlichen Revolutionen in der arabischen Welt gegeben, auch wenn wir jetzt abwarten müssen in welche Richtung sich diese Länder künftig bewegen. Werden sich diese Staaten hin zu einer demokratischen, freiheitlichen Ordnung entwickeln, oder wird die Revolution ihre Kinder fressen und die Entwicklung hin beziehungsweise quasi zurück zu autoritären Regimen führen? Dies wird das neue Jahr zeigen. In jedem Fall zeigen diese Demonstrationen – bis hin zu Revolutionen -, dass es noch Menschen auf dieser Welt gibt, die für Gerechtigkeit und Demokratie auf die Straße gehen. Ich denke, das sollte uns allen Mut machen.
Freie Tribüne:
Und über den sogenannten „arabischen Frühling“ hinaus?
Charles Servaty:
Auch in der westlichen Welt gingen die Menschen auf die Straßen. Die Occupy-Bewegung hat gezeigt, dass es auch in den Industrienationen eine Menge Menschen aller Alterklassen gibt, die mit dem jetzigen System unzufrieden sind. Diese Menschen fühlen sich vom kapitalistischen System alleine gelassen, manche auch verraten, und lassen daher ihren berechtigten Frust auf der Straße raus. Ich habe durchaus Verständnis für diesen Trend – ich finde auch, dass die Meinung der Bürger auch außerhalb von Parlamenten und unabhängig von Wahlterminen zur Geltung kommen muss.
Was die DG angeht, so haben wir ein schwieriges Jahr im Zeichen der Krise hinter uns gebracht. Ich denke, dass die Mehrheit im PDG und die Regierung gute Arbeit leisten, um die schlimmsten Folgen der Krise abfangen zu können. Zwar ist die DG keine Insel, doch denke ich, dass wir bisher erhobenen Hauptes auf unseren Umgang mit den unsicheren Zeiten schauen können. Zwar wissen wir nicht, wie die globale Situation in einigen Wochen und Monaten aussehen wird. Doch wir können sagen, dass wir uns nach bestem Wissen und Gewissen für die Zukunft gerüstet haben und das auch künftig tun werden.
Freie Tribüne:
Herr Servaty, ich danke für das Gespräch.
Charles Servaty:
Ich danke.
Freie Tribüne:
Werte Hörerinnen und Hörer!
Weitere Informationen finden Sie wie immer im Internet unter www.sp-dg.be
Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Abend. Bis zum nächsten Mal.
