Kirsten Neycken-Bartholemy / PDG

Dekretentwurf über Maßnahmen im Unterrichtswesen 2018


Plenum des PDG vom 18. Juni 2018

Stellungnahme von Kirsten Neycken-Bartholemy

 

Sehr geehrter Herr Präsident,

sehr geehrte Mitglieder der Regierung,

werte Kolleginnen und Kollegen,

wie in jedem Jahr befinden wir heute über zahlreiche Maßnahmen im Unterrichtswesen der Deutschsprachigen Gemeinschaft. In einigen Sitzungen des zuständigen Ausschusses haben wir uns intensiv mit dem gesamten Bereich beschäftigt. Das nun vorliegende Resultat beinhaltet eine Vielzahl an zielorientierten Anpassungen und Maßnahmen.

Vor diesem Hintergrund möchte ich Ihnen die in unseren Augen wichtigsten Elemente hervorheben.

Zunächst möchte ich auf die Schaffung einer Time Out-Einrichtung eingehen.

Wie wir wissen, besteht das Time Out-Pilotprojekt bereits seit knapp zehn Jahren. Wir empfinden es daher als umso wichtiger, mit der vorliegenden Maßnahme nun eine dementsprechende Rechtsgrundlage zu schaffen.

Es ist mir sehr wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Time Out Einrichtung eine sehr wichtige Arbeit im Sinne derjenigen Jugendlichen leistet, die aufgrund sozio-emotionaler Verhaltensauffälligkeiten in der schulischen oder mittelständischen Ausbildung den Anschluss verloren haben. Grundlegend verfolgt die SP-Fraktion den Ansatz, dass niemand – und gerade junge Menschen – zurückgelassen beziehungsweise sich selbst überlassen werden sollten.

Gerade Jugendlichen und jungen Erwachsenen muss eine Gesellschaft zugestehen, auch einmal die falschen Entscheidungen getroffen zu haben. Wichtig ist, diesen Betroffenen ein maßgeschneidertes Angebot zur Verfügung zu stellen, das es ihnen ermöglicht, professionelle Hilfe zu erhalten und schnellstmöglich wieder Anschluss an das gesellschaftliche und berufsbildende Leben zu erhalten. Sei es durch Beschulung oder im Sinne einer sozial-emotionalen Fachberatung.

Seit jeher findet eine intensive Zusammenarbeit zwischen der jeweiligen Regel- beziehungsweise Förderschule sowie dem ZAWM statt, dies begrüßen wir ausdrücklich.

Das Wichtigste ist, dass die betroffenen jungen Menschen gezielt bei ihrer Wiedereingliederung unterstützt und demnach auch gezielt auf Prüfungen der externen Prüfungsausschüsse, an Schulen oder ZAWM vorbereitet werden.

Ein zweites Element, das ich sehr positiv hervorheben möchte, ist die Stärkung des Rechts auf Mitwirkung und Mitbestimmung von Schülern. In unseren Augen ist die Auslebung eines solchen Rechts ein wichtiger Beitrag zum Erwachsenwerden sowie zur Stärkung der Mündigkeit. Außerdem kann der Charakter dieser jungen Menschen reifen.

Indem die Schüler lernen, Verantwortung für sich und ihr Umfeld zu übernehmen, werden die sozialen Kompetenzen intensiv gestärkt. Doch geht diese Maßnahme noch viel weiter.

Durch die Möglichkeit, auf Missstände hinzuweisen und Lösungen zu erarbeiten, erfahren die Kinder und Jugendlichen ganz direkt, dass sie ihre Umgebung, in der sie sich befinden sowie die Umstände aktiv gestalten können.

Es ist uns überaus wichtig, dass die Möglichkeiten zur persönlichen und sozialen Emanzipation bereits von Kindesbeinen an gefördert werden.

Dass die garantierte Vertretung der Schüler künftig in der Schulordnung festgelegt werden soll, befürworten wir dabei ausdrücklich. Dass zur Unterstützung dieser Maßnahme auch GrenzGeschichteDG mit ins Boot genommen werden soll, sehen wir überdies sehr positiv. Das gilt auch für die Idee, an den ZAWM Schülervertretungen zu organisieren.

 

Werte Kolleginnen und Kollegen,

der Ausbau des Stellenkapitals für erstankommende Sekundarschüler ist ein weiterer Aspekt der vorliegenden Maßnahmen, und für die SP-Fraktion ein wichtiger Beitrag zur besseren Integration von zugezogenen Jugendlichen in die ostbelgische Gesellschaft.

Nur durch den Abbau von sprachlichen und somit kulturellen Hemmnissen ist es möglich, ein vollwertiger und teilnehmender Akteur unserer Gemeinschaft zu werden. Dass die Maßnahme in erster Linie den Schulen zugutekommen soll, die nicht über eine Erstempfangsklasse verfügen, empfinden wir ebenfalls als positiv. Unsere Priorität ist, dass jede Schule, die dies benötigt, intensiv bei der Beschulung von erstankommenden Schülern unterstützt wird.

Darüber hinaus ist es uns wichtig, dass die betroffenen Schüler die bestmögliche Förderung erhalten, um schnellstmöglich am regulären Unterricht teilnehmen und dort auch mithalten zu können.

Wir unterstützen den Minister in seiner Auffassung, dass diejenigen Schüler, die auch nach längerer Anlaufzeit nicht das Niveau A2 in deutscher Sprache erreichen, sehr wohl weiterhin Sprachförderung erhalten sollen. Alles andere würde in unseren Augen überhaupt keinen Sinn machen. Ziel muss die Förderung der Jugendlichen sein und nicht der blinde Aufbau von Druck.

Die nächste Maßnahme, die wir ausdrücklich begrüßen, ist die Öffnung des externen Prüfungsausschusses durch die Schaffung eines Spezialisierungsjahrs für die Unterstufe.

Durch diese Maßnahme erhoffen wir uns positive Auswirkung auf die Ausbildungs- und Lehrchancen von jungen Menschen und all denjenigen, die des festen Willens sind, einen Abschluss nachzuholen. Wenn wir die Arbeitslosenzahlen betrachten, stellen wir fest, dass gerade eine Vielzahl von niedrigqualifizierten Personen keiner Tätigkeit nachgeht. Zumeist finden die betroffenen Personen keine passende Stelle auf dem Arbeitsmarkt, da ihr Ausbildungsniveau zu niedrig ist.

Mein Kollege Strougmayer weist seit Monaten zu Recht auf diesen gravierenden Aspekt hin.

Die SP-Fraktion ist der festen Überzeugung, dass die diesbezügliche Erweiterung des Angebots des Prüfungsausschusses sehr positiv zu bewerten ist.

Nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund, dass die Lehrlingsbeteiligung im ZAWM Sankt Vith genau diese Forderung seitens der Lehrlinge zutage gebracht hatte.

Wir sind der festen Überzeugung, dass die Maßnahme einen positiven Einfluss auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft in der DG haben wird. Schließlich wird all denjenigen Personen, die über keinen Schulabschluss verfügen, eine niedrigschwellige Möglichkeit eröffnet, diesen nachzuholen. Und wie wir wissen, ist das beste und vor allem erste Mittel gegen Arbeitslosigkeit eine abgeschlossene sowie diplomierte Schulausbildung.

 

Werte Kolleginnen und Kollegen,

abschließend möchte ich noch auf einen Punkt zu sprechen kommen, der meiner Fraktion und auch mir persönlich sehr am Herzen liegt.

Es handelt sich dabei um die Öffnung des Zugangs zum Middle Management des Gemeinschaftsunterrichtswesens. Ich freue mich sehr, dass es durch diesen Vorschlag unserer Fraktion künftig auch Personen mit einem Meisterbrief möglich sein wird, das Amt eines Middle Managers bekleiden zu können. Wir sind der festen Überzeugung, dass gerade im Bereich der beruflichen Ausbildung und der Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt Personen mit einem Meisterbrief eine wertvolle Bereicherung für das Middle Management darstellen können.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass diese Personen eine konkrete Vorstellung von der Arbeit auf dem Feld haben und diese direkt in die Unterrichtsvermittlung sowie das Ausbildungsumfeld einfließen lassen können. Praxisnähe ist hier das Stichwort.

 

Werte Kolleginnen und Kollegen,

vor dem Hintergrund der geschilderten Argumente stimmt die SP-Fraktion dem vorliegenden Dekretentwurf über Maßnahmen im Unterrichtswesen 2018 zu.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

 

Sehen Sie die Frage von Frau Neycken-Bartholemy auf PDG-TV.

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